Die besonderen Empfehlungen dieses Monats - Buchhandlung und Verlag Bornhofen in Gernsheim am Rhein

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Lieblinge des Monats Februar.
Faszinierend und aktuell

Piper erwacht in einem Raum, den sie nicht kennt, sie hat keine Erinnerung an das, was passiert ist. Lediglich das "Davor" ist ihr präsent - das Leben auf dem Gelände des aufgelassenen Freizeitparks, mit drei Schwestern, vier Brüdern und zwei Tanten, die ein unerbittliches Regime führen. Das Warten auf Mutter und Vater, die von allen vergöttert werden. Sie leben dort sehr naturnah und Piper als große Schwester hat viel Verantwortung. Vor allem versucht sie, Vaters Anforderungen gerecht zu werden und seine Vorgaben umzusetzen.

Langsam schleicht sich aber das "neue" Leben in dieses Buch („Danach“), erst als Bedrohung („Vater hat immer gesagt, dass die da draußen uns nach dem Leben trachten“), aber je mehr Erinnerung Piper zulässt, desto schwieriger ist es, diese mit den Fakten in Einklang zu bringen. Piper muss aus zwei vollkommen unvereinbaren Bruchstücken ihr Selbst entwickeln.

Man ist sofort hineingezogen in diese Geschichte aus zwei Perspektiven, die doch nur von einer Person erzählt wird. Das „Davor“ bekommt Risse und wird immer bedrohlicher, das „Danach“ hingegen wird lebbarer, auch weil Piper klug begleitet wird. „Lügentochter“ ist großartig geschrieben und derzeit mein Jugendbuch-Highlight, das ich auch jedem Erwachsenen in die Hand drücken möchte!

Megan Cooley Peterson: „Lügentochter“, magellan Verlag, 978-3-7348-5051-6, € 17,00
Begegnungen

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht – bei mir ist jeder Spaziergang auch ein Beobachtungsgang durch die Natur. Manchmal bleibe ich stehen und schaue genau hin, höre gut zu, manchmal gehe ich langsamer, um ein Tier nicht zu vertreiben und auch Umwege zwecks besonderer Schönheiten finden statt. Vielen Autor*innen ist es wohl ebenso ergangen: Es gibt unendlich viele Texte mit Bezug zur Natur, realistische und schönfärbende, Prosa und Poesie, zugeneigte und widerwillige … Florian Huber hat für „Im freien Feld – Begegnungen mit Vögeln“ in den Büchern der letzten beiden Jahrhunderte gestöbert und eine spannende, interessante Vielfalt an Sequenzen über Gefiedertiere zusammengestellt, mal mit nur wenigen Zeilen, mal mit ein paar Seiten. Gemein ist ihnen, dass wir Leser*innen einen Ausschnitt der Natur erhalten, der über den eigentlichen Text hinaus geht. Denn immer ist da auch das Glück mitzulesen, welches die Schreibenden im Beschriebenen finden. Genau das macht die Texte so bezaubernd: Geteiltes Glück ist doppeltes Glück …

Florian Huber: „Im freien Feld – Begegnung mit Vögeln“, Czernin Verlag, € 22,00
Schulleben

Gregor Horvath (Deutsch und Geschichte), ist ein wenig besonders: Einerseits ist es ihm nicht möglich, Gefühle so zu empfinden wie sein Gegenüber, andererseits liegt es ihm fern, mit dieser Eigenschaft andere verletzen zu wollen. So reflektiert er also nicht nur sich selbst, sondern auch seine Mitmenschen – eine Eigenschaft, die ihn zur Bestbesetzung für den Posten als Ermittler macht. Denn auf dem Schulgelände wurde Lehrer Menzel tot aufgefunden und die Polizei (Auftritt Gregors Horvarths Zwillingsbruder Martin) legt das unter Selbstmord ab. Nicht, weil ein Selbstmord eindeutig ist, sondern weil er naheliegend genug ist, der Kripo Zeit für wichtigere Fälle zu lassen. Und so redet Oberstudienrat Horvath mit den unterschiedlichsten Leuten, sammelt Haare für die Gerichtsmedizin und bringt sich selbst damit in große Gefahr …  

Eine normale Schule, Lehrer*innen, wie man sie überall findet (oder das zumindest glaubt), und auch in der Schülerschaft finden sich sämtliche Blaupausen von der Überfliegerin zum Klassenkasper. Ein Sujet, dass wir alle kennen. Oder? Marc Hofmanns Beschreibungen sind durchaus klischeebehaftet – aber sie beschreiben weder das Kollegium noch die Schülerschaft plus Eltern verletzend. Die Krimihandlung ist eher langsam aber durchaus spannend. Unterhaltsam ist das Buch an vielen Stellen auch, und dazulernen kann man außerdem. Ein echter Genuss!

Marc Hofmann: „Der Mathelehrer und der Tod“, Knaur Verlag, 978-3-426-52547-0, € 9,99
Zupackend

Maria und Zenzi sind Schwestern, sie sind beide weit über 70 und bewohnen und bewirtschaften den Dammerlhof in Solla im Bayrischen Wald. Einerseits ist ihnen das Bewahren des Althergebrachten wichtig, andererseits verschließen sie sich Neuerungen nicht. Maria, die Ruhige, künstlerisch Begabte, renovierte alte Bauernschränke – manchmal auch mehrfach, wenn ihr das aufgemalte Motiv nicht mehr gefiel –, der Ertrag floss dann in den Kauf neuer Geräte für den Hof. Maria ist auch diejenige, die sich ums Schriftliche kümmert und sehr genau weiß, was zu tun ist. Zenzi hingegen war nicht nur in jungen Jahren ein Wirbelwind. Auch in den beiden Jahren, die die Journalistin Christine Zuppinger die beiden begleitete, war sie für die Arbeiten zuständig, die zügig zu erledigen waren: die weit über 50 Brotlaibe schnell zum Backhaus tragen oder die Sense schwingen zum Beispiel. Nicht nur in ihrer Jugend war sie für ihren flotten Fahrstil berühmt-berüchtigt.

Christine Zuppinger hat das Leben der beiden begleitet und berichtet sehr genau darüber: wie sie Familie erlebten, was der Hof früher und heute bedeutet, wie ihr Alltag ist, welche Gegenstände für was stehen. Das ist faszinierend und interessant zu lesen, ein Blick zurück und gleichzeitig aufs hier und jetzt. Außerdem kommen die beiden Schwestern in vielen kleinen Sequenzen selbst zu Wort, in der ihnen eigenen Sprache und Geschwindigkeit – Zuppingers schmales Buch ist eine Art Vermächtnis und schon als solches sehr lesenswert.

Christine Zuppinger: „Schwalbennester“, Steidl Verlag 978-3-95829-728-9. € 12,80
Die Bach

Quellen, Bäche, Flüsse – sie sind die Lebensadern jeglicher Landschaft und unterliegen permanenter Veränderung. In den letzten beiden Jahrhunderten wurden diese Veränderungen fast ausschließlich durch den Menschen und seine Bedürfnisse veranlasst, es sind Veränderungen, die mit massiven Störungen im natürlichen Kreislauf einhergehen. Bekannt ist das schon länger und seit dem Jahr 2000 gibt es eine EU-weite Wasserrahmenrichtlinie. Deren Ziel hat Deutschland bis 2015 nicht erreicht, nun liegt das Augenmerk auf der Verlängerung bis zum Jahr 2027. Allerdings scheint auch das fraglich …

Torsten Schäfer ist am Rande des Odenwalds großgeworden, seine Kindheit verbrachte er in Wald und Wiesen, an Bächen und Teichen. Schon in Jugendjahren war er aktiv im Umweltschutz. Seit 2013 ist er Professor für Journalistik an der Hochschule Darmstadt, vorher war er unter anderem für die Süddeutsche Zeitung und GEO journalistisch tätig. Das alles sind gute Gründe, sein Buch „Wasserpfade“ zu lesen, in dem es im Hauptteil um „die Bach“ – die Modau von der Quelle bis zu ihrer Mündung am Kühkopf geht. Und trotzdem überrascht dieser Titel: Es ist eine fachlich fundierte, poetische, großartige Liebeserklärung an unsere Region. Schäfer streicht die Verbindung von Mensch und Natur heraus ohne dabei ins Esoterische abzugleiten – und doch liest und spürt man die tiefe Verbundenheit, die weit übers Wandern und Landschaft-Beschauen hinausgeht. „Wasserpfade“ ist ein richtiger Augenöffner.

Torsten Schäfer: „Wasserpfade – Streifzüge an heimischen Ufern“, Oekom Verlag, € 24,00
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